Nachhaltige Forstwirtschaft und unser Konsum

Kürzlich habe ich eine Doku auf Netflix entdeckt, die es ziemlich in sich hat. Weil sie einen herausfordert. Die Doku heisst «Der Verbrauchermarkt: Ein kaputtes System». Dabei geht es für mich im Grossen und Ganzen um die Quintessenz: unser Konsumverhalten hat einen enormen Einfluss darauf, wie produziert wird. Nachfrage schafft Angebot. Das ist ziemlich logisch, oder? 

In der Folge mit dem brutalen Titel «Killerkommoden», ging es um die Herstellung von «Fast-Furniture» (zu Deutsch etwa: schnelle Möbel) und deren Folgen für die Umwelt und für die Konsumenten. Was erschreckend ist: obwohl die grossen Player auf dem Billig-Möbelmarkt auf Nachhaltigkeit pochen, passiert im Hintergrund leider oft etwas ganz anderes. Billige Möbel heisst viele Nachfrager. Billige Möbel heisst aber auch schlechtere Qualität und kürzere Lebensdauer. Somit braucht es Holz – sehr viel Holz. Und nicht selten wird dieses Holz (wie man in der Dokumentation dann auch sieht) in eigentlich geschützten Nationalparks illegal beschafft (zum Beispiel in Rumänien). Das passiert auf eine Art und Weise, wie es für den Wald absolut schädlich ist.

Was bedeutet eigentlich nachhaltige Forstwirtschaft?

Das Wort Nachhaltigkeit ist bereits zum Schlag- und Trendwort geworden. Aber wer definiert eigentlich, was es genau heisst? Habt ihr zum Beispiel gewusst, dass «Nachhaltigkeit» als Begriff aus der Forstwirtschaft stammt? Ich wusste das bis vor Kurzem nicht. Wikipedia definiert es so: 

 

«Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft bezeichnet die forstliche Praxis der Nachhaltigkeit, also ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem die Bewahrung der wesentlichen Eigenschaften, der Stabilität und der natürlichen Regenerationsfähigkeit des Waldes im Vordergrund steht.»

 

Wälder sind beeindruckende Ökosysteme. Heute ist die Erde zu ca. 30% mit Wald bedeckt (zum Vergleich waren es vor der Industrialisierung knapp 60%). Wälder haben eine tragende Rolle im Wasser- und Kohlenstoffkreislauf, was wiederum Auswirkungen auf das Klima hat. Sie produzieren Sauerstoff und bieten Lebensraum für eine Vielzahl an Lebewesen. 

Eine besondere Funktion hat der Waldboden bzw die oberste Schicht, genannt «Humus» (nein, hat nichts mit Kichererbsen zu tun ;-)). Diese Schicht entsteht durch die Zersetzung organischer Bestandteile durch die kleinen Lebewesen im Boden. Sie bauen einen Teil des Humus vollständig ab und verwandeln diesen in Nährstoffe, die von den Pflanzen im Wald wieder aufgenommen werden. Dieser geschlossene Kreislauf ist für einen gesunden Wald oberste Priorität, um sein Fortbestehen zu garantieren. In einem naturbelassenen Wald funktioniert dieser Kreislauf von allein. Wenn nun aber der Mensch in diesen Kreislauf eingreift (indem er Bäume rodet), funktioniert das System nicht mehr. 

Bäume pflanzen reicht nicht

 In einer nachhaltigen Forstwirtschaft geht es nicht (nur) darum, dass man auf einen gefällten Baum einen neuen Baum pflanzt. Das ist zwar durchaus wichtig, aber erst die Hälfte der Miete. Woher bekommt dieser neue Baum seine Nährstoffe? Richtig, aus dem Humus. Das Problem ist leider, dass durch eine komplette Rodung all jenes Material entfernt wird, das früher oder später auf die Erde fallen würde und von den kleinen Lebewesen im Humus zersetzt werden würde. Das heisst, wenn nichts übrig bleibt zum Zersetzen, gibt es auch keine Nährstoffe für den neuen Baum. Nachhaltige Forstwirtschaft heisst also auch, Holz im Wald liegen zu lassen. Nur so gelangt genügend organisches Material in den Boden, um die Pflanzen zu ernähren.

Kahlschlag, Einsatz von Düngern, starkes Befahren von Wäldern und das Ansiedeln von exotischen Baumarten sind zusätzliche Belastungen für den Boden. Ein ideal bewirtschafteter Wald muss eine strukturelle Vielfalt von Totholz (abgestorbenes Holz), Biotopholz (Holz das Lebensraum für andere Lebewesen bietet) und Altholz (erntereifes Holz) aufweisen, damit man von Nachhaltigkeit sprechen kann.

 Was hat das mit uns als Konsumenten zu tun?

 Ich habe es bereits oben erwähnt, und wahrscheinlich hast du es selbst schon erkannt: unser Konsum bestimmt, wie und was produziert wird. Viele Menschen kaufen «Fast-Furniture», weil es erstens günstig ist und zweitens oft einem gewissen Trend entspricht (der ja immer wieder ändert). Heutzutage kaufen wir viel öfter Möbel, als es früher gang und gäbe war. Nicht nur wegen Modetrends, sondern auch, weil die Produkte nicht gerade von langer Lebensdauer sind. Das ist somit ebenfalls eine Art Kreislauf, aber ein schlechter. Durch diese beständige Nachfrage an billigen Möbeln muss immer mehr Wald gerodet werden, möglichst günstig und schnell. Leider ist es so, dass sich in der Beschaffung der Rohstoffe viele Firmen immer noch unfair und rücksichtslos verhalten. Durch gedankenlosen Konsum unterstützt man diese Vorgehensweise.

Ich finde, es lohnt sich doppelt und dreifach, beim Kauf von Holzprodukten genau hinzuschauen. Faktisch ist es für alle Beteiligten viel besser, wenn ich zum Beispiel bei einem Schreiner ein Möbelstück kaufe, bei dem ich über die Herkunft des Holzes informiert bin und mich ausserdem darauf verlassen kann, dass ich lange Freude am Produkt habe. Ich unterstütze ausserdem den Hersteller direkt, ohne fragwürdige Zwischenstationen. Secondhand ist ebenfalls eine gute Wahl. Oder warum nicht aus regionalem Restholz selber was bauen? :0)

Habt ihr euch auch schon Gedanken über dieses Thema gemacht? Wie denkt ihr darüber? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

 

 

 

 

 

Quellenangaben für diesen Blogartikel:

http://www.biologie-schule.de/oekosystem-wald.php

https://www.waldwissen.net/wald/boden/wsl_waldboden_merkblatt/index_DE

https://www.greenpeace.de/themen/walder/waldnutzung/300-jahre-nachhaltige-forstwirtschaft-mehr-schein-als-sein

 

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